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Von kleinen und großen Gesprächen

Heute habe ich jemanden getroffen, den ich kenne. Jemanden, mit dem ich vor fünf Jahren das letzte Gespräch geführt habe und mit der Zeit nur gegrüßt habe. Wir haben uns also seit einem Jahr nicht gesehen und treffen uns wieder in einer anderen Stadt, auf meinem Nachhauseweg. Wir beide sind überrascht uns zu sehen und nur das lässt uns beide anhalten und mehr als nur grüßen. Insgesamt reden wir nicht viel mehr als fünf Minuten. Fünf Minuten, aber immerhin das erste Mal nach fünf Jahren. Fünf Minuten in denen ich erfahre, was er in dieser Stadt macht: auch studieren. Was er studiert ( Geografie ) und warum ( weil er ein anderen Studienplatz nicht bekommen hat ). Ich erfahre, was er vorher gemacht hat ( anderthalb Jahre bei der Bundeswehr ), wo er gerade war ( Bibliothek ) und wohin er geht ( Tutorium ). Dinge, die mich in diesem Moment tatsächlich interessierten und Fragen, die ich wirklich ernst meinte. Und das, obwohl es ein typischer Smalltalk zu sein scheint. Denn uns beide verbindet nichts anderes, als dieser Zufall, als dieser Moment der Überraschung und Verwunderung. Wir haben in den letzten Jahren nicht an uns gedacht und uns gefragt, was wir wohl machen. Wir haben nicht erwartet oder erhofft, uns zu treffen. Und wir werden auch sicherlich nicht die ganze Nacht wach bleiben und über unsere Worte nachdenken („Warum er wohl Geografie studiert? Mysteriös" ). 

Und doch hat mich in dem Moment jede einzelne Antwort interessiert. Mich hat es interessiert, was er studiert und wie er das Studium findet, was er vorher tat und was er später mit dem Studium machen will, was er über die Uni und über die Stadt denkt. All das Dinge, die ich spannend fand und die ich in dem Augenblick wirklich wissen wollte.

Smalltalk jedoch, hat einen bitteren Nachgeschmack. Smalltalk steht oft für eine kurze, nichtige Unterhaltung, die einen weder im Zeitpunkt des Gespräches, noch danach interessiert und die einem oft dazu dient, jemanden ins Gespräch zu verwickeln, über jemanden mehr zu erfahren oder eine Wartezeit zu überbrücken. Also ist Smalltalk oft ein Mittel zu Zweck, ein Apparat, welches uns hilft, unsere Ziele zu erreichen, ein Werkzeug, welchen wir uns bedienen – vorausgesetzt wir wissen damit umzugehen. Ein manches Mal sind wir gezwungen, es zu benutzen, wenn eine peinliche Pause eintritt oder von einem erwartet wird, sich zu unterhalten – man will ja nicht als introvertierter Außenseiten gelten, der nicht mal dazu im Stande ist, ein kleine Unterhaltung anzufangen. Aber ist Smalltalk immer nichtig?

Nein und genau das beweist mein heutiges Erlebnis. Es war Smalltalk, doch von größerer Bedeutung. Es war Smalltalk, aber mit mehr Gewicht.

Somit gibt es also zwei verschiedene Gattungen Smalltalk. Eine, welche Mittel zum Zweck ist und eine andere, welche zwar auch den Moment genießt und nutzt, welche aber von wahrhaften Interesse zeugt, also von größerer Bedeutung ist als das wohlbekannte Smalltalk – fehlt uns also die neue Gattung „Bigtalk“?

19.10.09 23:52, kommentieren

Modigliani Austellung in Bonn

Lange habe ich es immer weiter verschoben: der Besuch der Modigliani-Austellung in Bonn, die leider nur bis zum 30.August ging.

Während der "Filmnächte zwischen den Museen" habe ich den Film "Modigliani" mit Andy Garcia in der Hauptrolle gesehen. Und auch wenn vieles in dem Film frei erfunden ist und jeder Film natürlich der künstlerischen Freiheit unterliegt, hat mich der Künstler Modigliani noch mehr interessiert und fasziniert. Seine Stil ist einzigartig: die pfirsichfarbene Haut, die langen Hälse, die Zartheit der portraitierten Personen, der freie Pinselstrich...

Die Austellung in Bonn empfing den Besuch mit einer großen Fotowand, wie eine Collage zusammengesetzt, mit Fotos von Modigliani selbst, seiner Geliebten Jeanne, seinem Bruder und seinen Künstlerfreunden- zu denen in einer gewissen Hass-Liebe auch Picasso zählte.

Wenn man weiter der Austellung folgte, so folgte man auch dem leider viel zu kurzen Leben Modiglianis, der an Folgen der Tuberkulose im Alter von nur 35 Jahren verstarb. Man folgt auch der Entwiklung seines Stils und das ein oder andere realistische Portrait zeigt, dass er weit mehr konnte, als man vielleicht denkt oder dachte.

Auch die Liebe zu Jeanne, die sich im Alter von 19 Jahren in ihn verliebt hat, wurde thematisiert. Mal in Zitaten, die zwischen den Werken an der Wand angebracht war, mal in den Gemälden selbst. Dabei geht die Melancholie des Glücks und der Verliebtheit von den Bildern aus, das man unwillkürlich lächeln muss bei dem Gedanken an ihre große Liebe zu "Modi"- wie er oft genannt wurde.

Ich kann jedem, dem sich eine Möglichkeit bietet Modiglianis Werke zu sehen, raten, diese zu nutzen und die einzigartige Macht, die von ihnen ausgeht zu genießen. Denn hinter dem Künstler, dessen wohlklingender Name dafür wie geschaffen zu sein scheint, verbirgt sich nicht nur ein großes Talent, sondern auch eine faszinierende Macht der Farben und Augenblicke.

2 Kommentare 2.9.09 16:09, kommentieren